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Wechseljahre des Mannes:  „Testosteron-Mangel-Syndrom“ - wie häufig ist es und muss es überhaupt behandelt werden? 

Von Dr. med. Jochen Kubitschek

 

Während kein Experte aufgrund der Eindeutigkeit der beobachteten zeitlichen Entwicklung der Körperfunktionen ernsthaft bezweifelt hat, dass es beim weiblichen Geschlecht Wechseljahre gibt, sind die sog. Wechseljahre beim  Mann nie eindeutig wissenschaftlich belegt worden.

Zwar wird in den Medien zunehmend über die Wechseljahre des Mannes berichtet. Ein "Klimakterium virile", eine den Wechseljahren der Frau vergleichbare plötzliche altersbedingte Änderung der Produktion der Geschlechtshormone - in erster Linie des Testosterons - existiert beim männlichen Geschlecht jedoch nicht. Im Gegensatz zur Frau kommt es beim Mann daher nicht zu einem plötzlichen Verlust der Fruchtbarkeit, da  ältere Männer oft ähnliche Testosteronwerte haben wie jüngere und so bis ins hohe Alter zeugungsfähig bleiben. 

Wissenschaftliche Untersuchungen haben aber durchaus gezeigt, dass sich der Testosteronspiegel bei älteren Männern im statistischen Mittel nach dem 40. Lebensjahr kontinuierlich jährlich um etwa ein bis zwei Prozent verringert. Daher haben 15 % - 20% der Männer über 50 Jahren einen erniedrigten Testosteronspiegel.  
 

 

Obgleich Testosteron kein überlebenswichtiges Hormon ist,  erfüllt es im männlichen Körper sehr viele wichtige Aufgaben und ist insbesondre für die Lebensqualität eines Mannes von großer Bedeutung. 

Testosteron regt insbesondere das sexuelle Verlangen an. Bei Testosteronmangel lässt dieses daher oft  - aber nicht immer - nach. Gleichzeitig besteht manchmal eine Erektionsschwäche. Auch zunehmende Reizbarkeit, Gefühlsschwankungen, Innere Unruhe und ein Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit können Symptome eines Testosteronmangels sein. Die ärztliche Diagnose wird aber durch den Umstand nahezu unmöglich gemacht, da alle diese Symptome auch bei Männern beobachtet werden können, die einen normalen Testosteron-Blutspiegel haben. Auf der anderen seite gibt es Männer mit eindeutig erniedrigtem Testosteron-Blutspiegel, die über keine der weiter oben aufgezählten Symptome klagen. 

Die zum Teil sehr unspezifischen Symptome können natürlich auch andere Ursachen haben, z. B. Tumore, Krankheiten der Leber, der Nieren oder des Kreislaufs. Zudem sind auch bestimmte Medikamente in der Lage, durch Nebenwirkungen auf den Hormonhaushalt diese Veränderungen hervorzurufen. 

Ein Testosteron-Mangel ist also nicht zwangsläufig mit Ausfallserscheinungen - also individuell als unangenehm empfundene Symptome  - verbunden.  

An eine Behandlung - beispielsweise durch die Gabe von Testosteron in Form von Spritzen, Pflastern oder eines Gels - ist daher nur unter den folgenden Voraussetzungen zu denken


1. eindeutige Symptome eines Testosteronmangels vorliegen

2. ein niedriger Testosteron-Blutspiegel im Labor nachgewiesen werden kann

3. wenn ein bisher nicht erkannter Prostatakrebs sicher ausgeschlossen werden kann.
 
 

 

Im ärztlichen Alltag stellt sich also oft die Frage, ob altersabhängige hormonelle Veränderungen tatsächlich für körperliche Veränderungen im Alter verantwortlich sind.  Eine im Alter eintretende Leistungsminderung darf nicht ohne weitere diagnostische Abklärung einfach als "altersbedingt" und somit als nicht therapiebedürftig abgetan werden.  

Im Rahmen der Diagnostik müssen immer auch hormonelle Ursachen eines Leistungsabfalls berücksichtigt weder.  Obgleich die generelle Substitution von Testosteron bei älteren Männern sinnlos ist und gelegentlich - wenn beispielsweise ein unerkanntes Prostatakarzinom vorhanden ist - auch das Krebswachstum fördern kann - sollte sie häufiger als bisher üblich ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

 

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